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Wie alles begann ... Wenn Scherben erzählen!

Bodenfunde und ihre Bedeutung in der heutigen Zeit.

Wie man zur Hobbyarchäologin wird!

Ein Aufsatz von Petra Lambernd

Vor ca. 9 Jahren kaufte ich ein altes Haus in Mitten der Altstadt von Babenhausen:

Von Anfang an wurden kleine bunte Scherben bei jeder Gartenarbeit egal wo auf dem Grundstück sichtbar. Aber erst 5 Jahre später hing dieses Füßchen an einem Unkrautbüschel:

Dies weckte bei mir dann das erste mal die Vorstellung, dass auf dem Grundstück vielleicht noch interessante Dinge im verborgenen liegen könnten. Meine Familie lächelte amüsiert und das Thema war für einige Zeit vom Tisch.

Jahre später mussten einige Bäume, vom Grundstück entfernt werden. Es standen zu viele zu dicht am Haus und an den Nachbarhäusern. Sie waren so groß geworden, dass sie ein Haus hätten ernsthaft beschädigen können. Da das Grundstück wieder begrünt werden sollte, mussten die Wurzeln mit ausgegraben werden. Bei dieser Arbeit wurden Berge von Scherben sichtbar. Es waren schöne Keramikbruchstücke dabei. Dies weckte meine Neugier endgültig. Was waren das für ganze Objekte gewesen? Wie alt sind sie? Wie sind diese auf das Grundstück gekommen? Um dies zu klären, fuhr ich mit einer Handvoll Scherben das erste mal in ein Museum. Dort wurden meine Funde bis ins 15.Jahrhundert geschätzt.

Obwohl von Familie und Bekannten belächelt wurde nun jede Scherbe geborgen und aufbewahrt. Welche Ausmaße dies angenommen hat zeigt dieses:

File written by Adobe Photoshop® 5.0

und wie viel Arbeit damit verbunden war sehen Sie hier:

Es sind im Laufe der Jahre ca. 200kg Scherben zusammengekommen, die alle geborgen, gewaschen, geordnet und soweit möglich zusammen geklebt wurden. Während ich in meinem bisherigen Leben 3-4 Museen besucht hatte, begann jetzt die aufwendigste Arbeit. Die Masse der Fragmente sind einfache Keramikscherben von großen und kleinen Schüssel, Tellern und Töpfen, eben normale Gebrauchsgegenstände.Sie lassen sich nicht mehr zu einem Ganzen zusammen fügen oder genauer zuordnen.

Auch die Bruchstücke, die Bilderausschnitte zeigen ließen sich nie zu einem ganzen Teil zusammensetzen. Aber häufig lässt sich durch Recherchen erkennen um welches Teil aus welchem Jahrhundert es sich handelt und aus welchem Material es besteht! So begann eine Reise durch viele Museen. Die Scherben konnte ich nicht ständig mitnehmen, so scannte ich sie per PC ein und legte einen Fotoordner an, der mich auf die Reise durch die Museen ständig begleitete.

Erstaunlicherweise ließen sich auch so ein Teil der Fragmente zuordnen. Ich lernte durch Gespräche mit Fachleuten und durch studieren von Fachbüchern, dass ich einen ganz bunt gemischten Fund habe:

  • Gebrauchskeramik
  • Glas
  • Tonpfeifen
  • Fayencen
  • Salzglasur
  • Ofenkacheln
  • Bodenfliesen
  • Dachziegel...

Die Vielfalt der Bruchstücke machte die Recherche so zeitaufwendig. Es reichte eben nicht aus durch drei Glasmuseen zu gehen, drei Kataloge zu kaufen und die Fundstücke wären nach Form, Objekt, Material und Zeit zugeordnet.

Aber noch viel schwieriger als die Zuordnung nach Objekten zum Beispiel Teller oder Schüssel und nach Material z. B.: Keramik oder Salzglasur ist die zeitliche Bestimmung. Diese Arbeit wird auch noch einige Zeit  in Anspruch nehmen. Denn die Fachleute sind eben dies, "Fachleute" jeder auf seinem Gebiet. Der eine kennt sich bei Tonpfeifen aus, der andere bei den Bodenfliesen oder mit Glas. Wieder andere haben sich auf bestimmte Jahrhunderte oder Epochen spezialisiert.

Was mir aber alle Fachleute einhellig sagten war, das so ein komplex gemischter Fund selten zur Verfügung steht. Dies bezieht sich sowohl auf die verschiedenen Materialien als auch auf das unterschiedliche Alter (ca. 13.Jh. bis 20.Jh.). Natürlich stellt sich auch die Frage, wo die Fundstücke herstammen.

Die erste und logische Erklärung war: AUFSCHÜTTUNG DES GRUNDSTÜCKS. Dies ist in Babenhausen geschehen und könnte eine Erklärung sein. Viele Fachleute glauben dies aber nicht. Wie sollte bei einer Aufschüttung ein solches Gemisch durchgängig durch mindestens fünf Jahrhunderte entstehen? Zumal es unterschiedliche  Erdschichten gibt? Es sind ja auch einige "Luxusgegenstände" identifiziert worden, wie passen die in das Bild des ländlich bescheidenen Lebens, das hier in Babenhausen durch Jahrhunderte gelebt wurde?

Erklärung: Es gab reiche Adelsleute die ihren Sitz hier in Babenhausen hatten. Wieso verteilen sich die Funde über das ganze Grundstück? Warum gibt es nicht wie oft üblich ein oder zwei alte Abfallgruben in denen Alles gefunden wird? Es gibt also noch viel zu recherchieren, aufzudecken und zuzuordnen. Es sind keine 20m2 des Grundstücks die zugänglich sind:

Bewegt wurden maximal 3m3, die Ausbeute waren ca. 200 kg Fragmente. Die Fundstellen waren meist bis zu ca. 30cm tief:

Professionelle Archäologen wären ganz anders zu werke gegangen! Hätten vorab vermessen, das Grundstück ganz anders "geöffnet", die Fundstücke ganz anders geordnet und sichergestellt. So stellte sich mir irgendwann die Frage, ob ich vielleicht mehr Schaden als Nutzen angerichtet habe indem ich überhaupt etwas geborgen hatte? Sollte man diese Bruchstücke im Boden belassen und so den Fund komplett der Nachwelt erhalten?

Zum einen kann man dagegen halten, dass viele Stücke in einigen Jahren nicht mehr zugeordnet werden könnten, denn der Boden des Grundstücks ist feucht und lehmig. Viele Fragmente zerbröseln schon oder die Keramikauflage blättert ab. Das heißt Muster, Dekor und Inschrift wären nicht mehr erkennbar!

Unter den Schriften des Heimat und Geschichtsvereins Lohr a. Main ist das Büchlein erschienen: "Beiträge zur handwerklichen fränkischen Keramik" "Referate des 18. Int. Hafnerei- Symposiums des Arbeitskreises für Keramikforschung von 1985" Herausgeber und Redaktion: Werner Endres +Werner Loibl Arbeitskreis für Keramikforschung Spessartmuseum Lohr von 1988

Hier schreibt Ludwig Döry über Grabungserfahrungen in Frankfurt/a.M. und Umgebung: "Dass durch Laien wenigstens Funde bzw. Fundstücke geborgen werden, zur Verfügung stehen und nicht für immer verloren sind." Dies wiege den Nachteil des nicht vermessen und des nicht richtigen magazinieren auf. Auch wenn man keramische Funde in der Erde belässt, sind Sie der Zerstörung ausgesetzt, z.B. durch die Landwirtschaft:

Wie viel auch eine kleine regionale Ausstellung bewirken kann, hat mich persönlich sehr überrascht! Wer sich da aus dem ganzen Umland auf den Weg nach Babenhausen und in die Ausstellung gemacht hat:

  • Kreisarchäologe
  • Luftbildarchäologe
  • Landbegeher
  • Museumsleiter
  • alte Töpfer, die ihre Arbeiten suchten
  • und private Sammler.

Auf der letzten Ausstellung wurde auch viel gefragt und diskutiert. Ein Stein ist meiner Meinung nach ins Rollen gekommen, denn die heutige Ausstellung ist eine andere als die im vergangenem Jahr. In diesem Jahr handelt es sich nicht wieder um einen einzigen Fundkomplex, sondern mehrere Funde aus Babenhausen wurden zusammen- geführt.

Aber auch diese Arbeit steht noch am Anfang und soll ausgebaut werden. Einige der oben genannten Besucher vom letzten Jahr, haben uns ihr Fachwissen und Leihgaben zur Verfügung gestellt, sodass diese Ausstellung viel umfangreicher und anschaulicher geworden ist, als dies im vergangenem Jahr möglich war!

Vielen Dank dafür an dieser Stelle an alle Helfer! Ein Babenhäuser Bürger hat seine Fundstück abgegeben. Dies war und ist ein schöner Anfang für mich, auf deren Fortsetzung durch die diesjährige Ausstellung ich schon jetzt gespannt bin. Für die Zukunft wünsche ich mir besonders eine bessere Aufklärung der Bevölkerung, damit noch viele Bürger ihre Fundstücke vorstellen, erfassen lassen, verleihen oder abgeben.

Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben zuerst bei meiner Familie, dem Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen, die diese Ausstellung wie die letzte erst möglich gemacht haben, sowie allen Beratern, Helfern und Fürsprechern.

Petra Lambernd