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Jagdlappen aus der Grafschaft Hanau-Lichtenberg

Als die Jagd groteske Züge trug

In Vortrag Bogen über 500 Jahre gespannt – Ausstellung der Heimatgeschichtler

Babenhausen. Bis gegen Jahresende zeigt der Heimat- und Geschichtsverein in der historischen Stadtmühle eine kleine Ausstellung über das Jagdwesen. Zur Eröffnung erklangen Jagdhörner und hielt der Harreshäuser Revierförster Günther Heid einen Vortrag über „500 Jahre Jagd".

 

Der 58-jährige Förster ist selbst ein erfahrener Jäger. Für die Ausstellung stellte er zum Beispiel einen Hirschfänger zur Verfügung, den er von seinem Großvater geerbt hat, und stieß zu Beginn seiner Rede ins Jagdhorn, um ein Signal erklingen zu lassen, wie es früher Brauch war. Damals gab es noch keine Handys mit denen Jäger bei Treibjagden Kontakt halten konnten. Heid erwähnte kurz die Ursprünge der Jagd, die in früheren Zeiten ausschließlich den Männern vorbehalten war, weil sie sehr gefährlich war, als noch Bären in den Wäldern hausten, die ebenfalls auf Jagd gingen.

Erst seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebe es auch hierzulande Jägerinnen, die nicht nur Talent für eine Schnäppchenjagd hätten und manchen Männern in der Treffsicherheit überlegen seien, fügte Heid schmunzeln an, der nicht verhehlte, dass anfänglich Skepsis in der Männer-Domäne herrschte, als in die auch Frauen eindrangen.

 

Einst ein Hobby hoher Herren

 

Grundsätzlich beleuchtete Heid die Jagd in den letzten 500 Jahren auch im südhessischen Raum, wo sich der große Reichsforst Dreieich ausdehnte und Pfalzen in Frankfurt, Trebur und Seligenstadt bestanden. Die Jagd war in der Zeit ab 1500 landesherrliches Vorrecht der Fürsten und der Landgrafen, war schließlich eine Art Hobby geworden. Die Bevölkerung litt derweil zu manchen Zeiten bittere Not, durfte sich aber nicht an Wild „vergreifen".

Während des und nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es durch die Verwilderung des Ackerlandes und des Waldes eine enorme Wolfsplage auch in Südhessen.

Der letzte Wolf in Hessen wurde nachweislich 1841 im Ried erlegt, der letzte Wolf im Odenwald am 12 März 1866 in der Nähe von Eberbach am Neckar und ist dort im Museum präpariert zu bestaunen. Bei den Wolfsjagden musste die Bevölkerung als Treiber herhalten. Das war kein beliebter Job.

 

Gefürchtete Sauhatzen

 

Ebenso gefürchtet waren die Sauhatzen bei den Treibern, die überwiegend aus dem Bauernstand kamen. Die Jagd, die längst nicht mehr ausschließlich der Fleisch-beschaffung diente, nahm bei manchen Herrschern groteske Auswüchse an.

So besaß der Herzog von Zweibrücken um 1552 mehr als tausend Jagdhunde für die Sauhatz. Bei den so genannten eingestellten Jagden musste die Landbevölkerung schon tage- oder wochenlang vorher Wild in große Gatter treiben, damit die „Herrschaften" nach Lust und Laune auf das Wild schießen konnten, was jeder Waidmann aus heutiger Sicht verabscheut. So kamen die enormen Jagdstrecken von 162 Hirschen oder 154 Sauen zustande, wie in alten Jagdliteratur beschrieben wird.

Bei einer Hauptjagd in Oberhessen wurden an die 300 Stück Rotwild zur Strecke gebracht.

Förster Heid sprach über die höfischen Jagden, die teils wochenlang dauerten, über die um 1700 eingeführte Parforcejägerei an den Fürstenhöfen. Auch die Landgrafen von Hessen-Darmstadt leisteten sich diese Jagdform, die ohne Rücksicht auf Verluste durch die Landschaft führte, selbstverständlich auch über bestellte Felder und gar durch Hausgärten. Der Schaden wurde nicht ersetzt.

 

Steuern im Voraus

 

Die Parforcejagden waren so teuer, dass zum Beispiel der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt 1697 Steueren im Voraus erhob. Um alles bezahlen zu können. Herzog Ernst August von Sachen-Weimar unterhielt 1748 1100 Jagdhunde und 373 Reitpferde. Die Belastung der Bauern durch die Frondienste wurden und die hohen Wildschäden wurde so groß, dass der Bauernkrieg von 1525 provoziert worden war. Dad alte Jagdrecht änderte sich auch im südhessischen Raum erst nach 1848. Die Frondienste wurden abgeschafft. Heid sprach auch überdie vor allem in Notzeiten übliche Wilderei. Diese blühte zum Beispiel auch nach dem jüngsten Krieg vor mehr als fünfzig Jahren auf, als manche Einwohner auch mit Schlingen und Fallgruben dem Wild nachstellten.

 

Saubärte und Keilerwaffen

 

Die Ausstellung in der Stadtmühle wurde unter Regie der stellvertretenden Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins, Ine Reichart, die zusammen mit Vorsitzendem Dr. Klaus Lötzsch die Ausstellung eröffnete, aus Leihgaben zusammengestellt. Sie zeigt zum Beispiel „Saubärte", „Keilerwaffen", auch eine „Saufeder" aus dem Jahre 1620. Signalpfeifen und Hörner, auch aus Gehörnen gefertigte Messer, Serviettenringe, Pfeifen und Spazierstöcke.

Michael Prasch

 

 

Erschienen im Main-Echo